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Beitrag vom 05.08.2017 (Quelle: Jürgen Müller)Druckversion
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Gestohlene Geschwindigkeit: Der größte Spionageskandal der Motorsportgeschichte


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Ernst Degner führt 1961 die Motorrad-Weltmeisterschaft in der Klasse bis 125ccm mit seiner MZ an. Der Große Preis von Schweden soll die Entscheidung bringen, doch dann kehrt Degner nicht in die DDR zurück. Er setzt sich nur wenige Wochen nach dem Bau der Berliner Mauer in den Westen ab. Um die Flucht des zuvor im Arbeiter- und Bauernstaat gefeierten Grand-Prix-Stars ranken sich bis heute Mythen. Degner flüchtete bekanntlich nicht nur in seine eigene Freiheit, er nahm auch die vom sozialistischen Rennkollektiv um Zweitaktpapst Walter Kaaden mühsam entwickelte Zweitakt-Renntechnik mit und verkaufte sie an den damals aufstrebenden japanischen Motorradhersteller Suzuki. Ob er damit zum Verräter geworden war oder einfach nur das tat, was andere an seiner Stelle auch getan hätten, darüber ist man hierzulande noch heute oft geteilter Meinung. Ist er seinem Rennkollektiv in den Rücken gefallen oder hat er dem strengen DDR-Regime die kalte Schulter gezeigt?

Der Brite Mat Oxley, selbst ehemaliger Rennfahrer sowie Journalist und Autor zahlreicher Rennfahrerbiographien, versucht Licht ins Dunkel des Skandals um Degner, Kaaden und MZ zu bringen. Sein Buch „Gestohlene Geschwindigkeit“ schildert den Aufstieg des IFA-Rennkollektivs um WaltermKaaden zum Anwärter auf die Weltmeisterschaft und Degners Entwicklung vom Nachwuchsrennfahrer zum Republikflüchtling. Dabei nimmt er den Leser mit auf eine Zeitreise zurück in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, ausgehend von den Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges und der anschließend aufkeimenden Hoffnung auf sozialistischen Fortschritt beziehungsweise westliche Freiheit im geteilten Europa.

Abenteuerliche Anekdoten aus der Welt des Motorradrennsports der 1950er und 1960er Jahre sowie über die politischen Spannungen im Kalten Krieg zwischen Ost und West erläutern die Rahmenbedingungen, unter denen sich Degner zu seiner Flucht entschloss. Während es mit der DDR in den Folgejahren wirtschaftlich bergab ging, machte die Pionierarbeit des Zschopauer Rennkollektivs die Suzuki Motor Company zu einem weltweit erfolgreichen Motorradhersteller. Ab Mitte der 1970er Jahre bis nach der Jahrtausendwende waren Zweitaktmotorräder, welche die technologischen Errungenschaften aus dem Erzgebirge im Herzen trugen, das Maß der Dinge im Motorrad-Grand-Prix-Sport. „Gestohlene Geschwindigkeit“ ist nicht nur ein wichtiges Stück Motorsportgeschichte, sondern auch ein typisches Stück Zeitgeschichte über Politik, Wirtschaft und die ewige Verlockung des Geldes.

Buchdaten:
Titel: Gestohlene Geschwindigkeit
Herausgeber: Motorrennsport-Archiv Jordan
Autor: Mat Oxley (deutsche Fassung von Andy Jordan)
Inhalt: 206 Seiten inkl. Bildteil mit Farb- und Schwarz-weiß-Fotos
Verkaufspreis: 24,90 €
ISBN: 978-3-945481-55-4

Das Buch ist im Onlineshop auf
www.motorrennsportarchiv.de oder im Buchhandel erhältlich.


Kontakt:
Andy Jordan
andyjordan@motorrennsportarchiv.de
0170-8173316

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